Rotes Gold

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Rotes Gold

2018 // Installation: Videoperformance, Prospekt, Objekte, menschliche Skulpturen.

Rotes Gold, 2018. Installation: Videoperformance, Prospekte (am Boden), Objekte, menschliche Skulpturen.

Auf einem Bildschirm läuft die Videoperformance im Loop. Am Boden sind drei Prospekte befestigt. Um in diesen zu blättern ist der Zuschauer gezwungen eine ernteähnliche Körperhaltung anzunehmen. An der Wand hängt ein Informationstext, der einen Einstieg in die konzeptionelle Arbeit ermöglicht. Weiterhin hängen an der Wand: Die leere Plastikschale der Erdbeeren aus der Performance, ein Objektrahmen mit einer zu Beginn der Ausstellung frischen Erdbeere, sowie das T-Shirt aus der Performance.

Rotes Gold, 2018. Detailansicht Installation.

Rund 280.000 Tonnen Erdbeeren werden in Deutschland pro Jahr gegessen. Da der Bedarf regional nicht gedeckt werden kann, importiert Deutschland 80 Prozent dieser Erdbeeren aus Andalusien in Spanien. Im Jahr 2017 exportierte Spanien Erdbeeren im Wert von rund 600 Millionen Euro und ist damit der größte Erdbeerexporteur Europas. Es sind vorwiegend Frauen aus Rumänien, Marokko und Bulgarien, die jedes Jahr auf diesen Erdbeerplantagen arbeiten. Sie sind Saisonarbeiterinnen ohne faire Verträge, die dort für knapp 25 bis 30 Euro am Tag arbeiten. Diese Frauen arbeiten nicht nur den ganzen Tag unter harten Bedingungen in der glühenden Hitze, vornübergebeugt, den Rücken gekrümmt, um ihre Familien in der Heimat zu versorgen, viele dieser Frauen werden zudem schikaniert, beleidigt, unterdrückt, erpresst, körperlich misshandelt und sexuell missbraucht.Aus vielerlei Gründen geraten die Fälle des sexuellen Missbrauches der Erntehelferinnen nicht oder kaum an die Öffentlichkeit, denn der Großteil der Frauen schweigt aus Scham und aus Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Zusätzlich bagatellisieren und ignorieren örtliche Organisationen, Gewerkschaften und Frauenrechtsorganisationen das Problem, denn das Geschäft mit den Erdbeeren ist millionenschwer. Aufgrund der Sprachbarriere ist es den betroffenen Frauen zudem kaum möglich, sich direkt an die Justiz zu melden.Dabei gibt es unübersehbare Hinweise. Nicht nur, dass Ärzte bei Untersuchungen auf sexuelle Misshandlung schließen können: So berichtet eine Reportage von einer Frau, bei der Gynäkologin und Gerichtsmediziner eindeutig Verletzungen durch „sexuelle Aggression“ feststellten, die jedoch ohne „Beweise“ wie einer frischen Spermaprobe vor Gericht keine Chance hat. Auch steigt die Abtreibungsrate in der Region während der Erntesaison eklatant an: Die meisten der Frauen, die eine Abtreibung vornehmen lassen, sind Gastarbeiterinnen.

Quellen: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: https://berichte.bmel-statistik.de/AHT-0033420-0000.pdf (Zugriff 10.05.2018) Correctiv: https://correctiv.org/blog/2018/04/30/er-kommt-am-abend/ (Zugriff 10.05.2018) Utopia: https://utopia.de/reportage-erntehelferinnen-auf-spanischen-erdbeerplantagen-ausgebeutet-vergewaltigt-89750/ (Zugriff 10.05.2018) https://utopia.de/oeko-test-erdbeeren-rewe-edeka-aldi-lidl-pestizide-88534/ (Zugriff 10.05.2018) Buzzfeed: https://www.buzzfeed.com/de/pascalemueller/vergewaltigt-auf-europas-feldern (Zugriff 10.05.2018)!

Rotes Gold, Videostill 1. Rotes Gold, Videostill 2.

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